Thermomix Testbericht

Der Thermomix. Oder: Ein Küchenautomat im Test

Vorab ein Geständnis: Bis vor einigen Monaten wusste ich ehrlich gesagt noch nicht einmal, was ein Thermomix überhaupt ist. Dann kam der neue Thermomix TM 5 …

Kathrin Runge

Beitrag von Kathrin Runge

vom 06.04.2015

Vorab ein Geständnis: Bis vor einigen Monaten wusste ich ehrlich gesagt noch nicht einmal, was ein Thermomix überhaupt ist. Dann kam der neue Thermomix TM 5 auf den Markt. In der Bloggerszene wurde viel über den Küchenautomat gesprochen. Ich habe einige Berichte über den „Mythos“ gelesen, plötzlich sind mir auch spezielle Bücher voller Thermomix-Rezepte aufgefallen. Und meine Freundin Christine hat sich eines der nicht gerade günstigen Riesengeräte gekauft. Als ich erfahren habe, dass man sogar mit dem Thermomix backen kann (wie gesagt: ich hab ja keine Ahnung!), habe ich bei ihr gleich mal einen Gastbeitrag bestellt. Ich selbst bin bislang als Besitzerin einer normalen Küchenmaschine, meiner geliebten Kitchenaid-Artisan, nämlich durchaus zufrieden. Hier kommt also Christines Bericht – es handelt sich teils um einen Thermomix-Test, teils um den Bericht über eine eigenartige Liebe 😉

Neuer Thermomix TM5

Christines Gastbeitrag: Die Bekenntnisse einer Thermomix-Besitzerin

Backen macht mich nicht glücklich. Zumindest war das in der Vergangenheit so. Jetzt besitze ich den neuen Thermomix TM5 – und nun hat sich das Backen zumindest in eine annehmbare Beschäftigung für mich verwandelt. Als die Firma Vorwerk im September vergangenen Jahres den „TM5“ ohne Vorankündigung über Nacht auf den Markt brachte und den „TM31″ ablöste, haben zwar erst einmal viele geschimpft. Sie ließen sich aber nicht davon abhalten, einen neuen „Thermomix“ zu kaufen. So wie ich. Ich kenne die Maschine schon recht lange; genauer: seit ich Mutti bin, also seit fast sieben Jahren. Denn bei den Muttis war sie schon immer in aller Munde. Mittlerweile sprechen sogar die kinderlosen Akademikerpaare zwischen 28 und 35 Jahren in meinem Bekanntenkreis dauernd über den Thermomix. Woher bloß kommt diese Faszination?Mein Gefühl: Entweder man liebt den Thermomix oder man hasst ihn. Dazwischen, so mein Eindruck, gibt es kaum etwas. Nachdem ich einen Artikel für eine Tageszeitung geschrieben und vom Spitzenkoch über Familien bis Singles mehrere Interviews geführt hatte, stellte ich fest, dass das Hauptargument gegen den Thermomix der hohe Preis von derzeit 1109 Euro ist. Hier ist man schnell beim Thema Thermomix-Test und Thermomix-Vergleich. Denn der Thermomix ist natürlich längst nicht mehr das einzige Gerät, das die angepriesenen zwölf Funktionen von Kneten über Dampfgaren und Emulgieren bis Zerhacken vereint. Ganz neu ist zum Beispiel der Kitchenaid Artisan Cook Processor, außerdem gibt es u.a. den Cooking Chef KM096 von Kenwood und den Prep & Cook HP 5031 von Krups. Alle haben einen, sagen wir mal, stolzen Preis.

Warum habe ich mich dann also für den Thermomix als Küchenmaschine entschieden, wenn es andere auch noch gibt? Ich muss zugeben, ich bin jemand, der gerne den Rat und die Begeisterung von anderen annimmt und alle Thermomix-Besitzerinnen, inklusive meiner Schwiegermutter, die das Vorvorgängermodell TM 21 seit 19 Jahren besitzt, sind begeistert. Eine andere Küchenmaschine, die kochen kann, hat schlichtweg niemand, den ich kenne.
Ich habe auch nirgendwo einen direkten Küchenmaschinen-Vergleich zwischen kochenden Küchenmaschinen gefunden, der es mir leicht gemacht hätte, mich für eine andere zu entscheiden, also einen Praxistest, nicht nur die Gegenüberstellung von Fakten.

Küchenmaschinen-Test: Die Themen Lautstärke, Reinigung und Co

Eine Ausnahme ist die Stiftung Warentest. Sie hat 2010 19 Küchenmaschinen verglichen – allerdings im Äpfel/Birnen – Schema, da die meisten dieser Küchenmaschinen keine Kochfunktion hatten. Der Thermomix, das Vorgängermodell TM 31, schneidet dort mit der Note 3,2 ab (bei einer Spanne von 2,1 bis 3,8). Der Notenwert beim TM 31 schießt aufgrund der Note 4,7 in Punkto Lautstärke in die Höhe. Hier hat Vorwerk nachgebessert. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der TM 5 deutlich leiser als der TM 31 ist. Natürlich kann man Nüsse auf Stufe zehn nicht mit 0 Dezibel hacken. Aber dieser Vorgang dauert schließlich nur einige Sekunden. Außerdem möchte ich euch zwei Fakten nicht vorenthalten: Im Stiftung Warentest Küchenmaschinen-Test ist von der aufwendigen Reinigung die Rede und dass die beste Maschine nur wenige Minuten zum Reinigen braucht. Beim Thermomix funktioniert es so: Wasser und Spüli rein, 20 Sekunden auf Stufe 5 laufen lassen und sie ist sauber beziehungsweise der hartnäckigste Dreck ist weg. Der einzige Minus-Punkt, den ich dem Thermomix geben kann, ist, dass ich ziemlich schlecht mit dem beigelieferten Spatel zurechtkomme. Ich bekomme Teig oder andere Massen nicht so gut ausgekratzt wie bei einer Rührschüssel. Mich stört, dass am Ende noch relativ viel am Mixmesser kleben bleibt.

Übrigens tat die relativ schlechte Note von Stiftung Warentext dem Thermomix-Boom keinen Abbruch – das bestätigen die Verkaufszahlen der Firma Vorwerk: Zwischen 1994 und 2007 setzte Vorwerk jährlich zwischen 30.000 und 50.000 Geräte ab. Ab 2008 stiegen die Zahlen sprunghaft an. 2013 wurden in Deutschland 198.000 Geräte der Serie TM31 verkauft.

Thermomix TM5 Testbericht

Der Zeitfaktor: Suppekochen und Kuchenbacken mit dem Küchenautomat

Was macht das Phänomen Thermomix für mich persönlich noch aus – neben den vielen Funktionen? Es ist die Zeitersparnis, die vielen, mich eingeschlossen, imponiert. Allerdings muss ich zugeben, dass ich zuvor außer einem Handrührgerät keine andere Küchenmaschine hatte. Rohkostsalat in Sekunden, die Suppe in Minuten. Nun ja, nicht ganz, sie braucht natürlich schon so lange wie im Kochtopf, allerdings muss ich nicht daneben stehen und ständig rühren, sondern kann schon mal die Küche aufräumen.

Genau mit dieser Zeitersparnis hat sich ein Zeitenforscher befasst. Karheinz Geißler, der seit 30 Jahren ohne Uhr lebt, bezeichnete den Thermomix in einem Artikel als „Held der Temposteigerung im Alltag“. In seinem Buch „Alles Espresso“ hat er einen ganzen Essay über den Thermomix verfasst. Für Geißler verkörpert das Gerät den postmodernen Geist des Multitasking und begünstigt eine hektische und umtriebige Atmosphäre. Essenszubereitung werde auf die „sachlich-rationelle Logik von Projektabwicklungen“ reduziert. Letztendlich, so Geißler, könne man die gewonnene wie auch die verlorene Zeit schmecken.

Die Kritik: Ist der Thermomix besonders geeignet für faule Menschen?

Neben dem Geschmacksverlust, den die Zeitersparnis mit sich bringt, bezeichnen Thermomix-Kritiker die Thermomix-Liebhaber sogar als „faul“. Als der TM5 im Herbst neu auf den Markt kam, geisterte ein Artikel der „Huffington Post“ durch die sozialen Netzwerke. In dem schreibt Autorin Lea Kosch: „Thermi mag der Traum für Faule sein. Für Menschen, die sich zu schade sind, den Knoblauch ganz klein zu hacken, Teig so lange zu kneten, bis die Fingerknochen schmerzen und Sahne mit dem Handrührer zu schlagen, weil sonst ihr Nagellack abblättert.“ Und weiter: „Thermi macht uns zu Sklaven unserer eigenen Bequemlichkeit“. Eines vergessen Lea Kosch und Karlheinz Geißler: Es gibt Menschen, die weder faul sind noch lackierte Fingernägel haben – sondern andere Interessen, für die sie ihre Zeit brauchen. So eine bin ich. Man muss kochen nicht lieben – aber man sollte sich einigermaßen gesund ernähren. Kochen ist notwendig, wenn man Familie hat. Und auch Backen kann man als Mutti nicht von der Agenda streichen. Man will dem Sohnemann zum fünften Geburtstag schließlich keinen Tiefkühlkuchen mit in den Kindergarten geben. Kochen und Backen gehört zum Alltag – ob man will oder nicht. Den Menschen, die nicht wollen, ist der Thermomix dabei eine große Hilfe – damit die ungeliebte Tätigkeit möglichst schnell und ohne viel Kraft vorbei geht.

Soweit meine Meinung zur Thermomix-Diskussion 🙂 In einem zweiten Gastpost möchte ich euch ein konkretes Rezept mit dem „TM5“ vorstellen. Etwas mit Prosecco und Hugo. Lasst Euch überraschen!

Christine

Sind Besitzer eines Thermomix (oder eines Geräts einer anderen Marke) unter euch – und wenn ja, welche Erfahrungen habt ihr beim Backen mit dem TM gemacht? Ist so ein Küchenautomat tatsächlich „nur für Faule“? Überflüssig? Oder eine große Hilfe? Ich bin gespannt auf eure Meinung!

Für gelingsichere Rezepte bekannt aus:

Deine Rückmeldung zum Rezept

Hast du das Rezept nachgemacht? Dann freue ich mich über dein Feedback und deine Bewertung.

44 Kommentare

  1. Hallo,
    nein, weder der Thermomix und eine andere Küchenmaschine ist etwas für Faule, sondern eher das Gegenteil, ein Hilfsmittel für Menschen, die sich fürs Kochen und Backen – ganz einfach – für die Ernährung interessieren.

    Wir haben uns auf vielfältige Art und Weise das Leben leichter, wir waschen unsere Wäsche nicht mehr im Trog und mit einem Waschbrett, wir nutzen Autos und gehen nicht zu Fuß oder sind mit dem Pferdewagen unterwegs……- grins – . Also, warum darf man es sich beim Kochen nicht einfacher machen dürfen?

    Ich teste derzeit die Küchenmaschine von „Krups Prep and Cook“ und bin begeistert, sie ist eine Erleichterung bei der täglichen Essenszubereitung für 6 Personen und da ich unheimlich gerne koche und backe…………verfüge ich so über noch eine „Kochstelle“, die vieles kann und u.a. gerade bei Saucen, Teigen, Desserts, die man u.U. ständig rühren muss ist eine Maschine ein echter Gewinn.

    Das Kochen komplett abnehmen kann wohl keine Küchenmaschine, dazu braucht es dann doch das „Know-how“ der Person, die vor dem Gerät steht.

    Liebe Grüße
    Lena

    1. Hallo Lena, danke für deinen Kommentar. Ja, das komplette Kochen kann er einem nicht abnehmen. Aber: Er (also der TM) und die ganzen Rezepte suggerieren einem, dass man es auch kann. Das hilft mir, die dem Kochen und Backen immer skeptisch gegenüber stand und am liebsten bei Mutti, Kantine und Restaurant gegessen hat, wirklich sehr. Viel Spaß mit der Krupsmaschine. Vielleicht kannst du hier mal erzählen, wie die so ist. Wie schon in meinem Beitrag erwähnt: Ich kenne nämlich niemanden, der eine andere Koch-Küchenmaschine außer dem TM hat. Liebe Grüße Christine

      1. Danke, Christine.

        Sobald ich etwas Zeit finde verfasse ich einen Bericht.

        Liebe Grüße
        Lena

        1. Hallo,

          Berichte über andere Wundermaschinen wie den TM 5 würde ich gerne lesen.
          Ich finde es einfach schwierig, dass alle nur von ‚Thermi‘ schwärmen, als wär es der Allheilbringer ;-).
          Und ich stimme den Kritikern zu der Preis macht es einem nicht leicht sich dafür zu entscheiden.
          Ich hoffe deshalb wirklich über den Bericht mindestens einer ähnlichen Küchenmaschine bei dir.

          Lieben Gruß
          Nadine

  2. Wirklich ein klasse Gerät, nur er darf nicht kaputt gehen, warte seit MONATEN!!!!!!! auf Neulieferung

    Doris

    1. Liebe Doris, wende dich vertrauensvoll an deien TR. Denn dass man monatelang (!!!l) warten muss, stimmt so nicht. Da liegt der Fehler woanders.

  3. Ein toller Beitrag, in dem ich meine eigene Meinung auch wiederfinde. Ich bin Konditorin und komme aus einer Castro-Familie – in der Gastronomie ist der Thermomix schon lange im täglichen Gebrauch, für Dressings, optimale Emulsionen und zum Zerkleinern. Ich selbst besitze seit rund einem Monat auch einen eigenen, nachdem ich jahrelang den meiner Eltern mitbenutzt habe, und habe plötzlich einfach so viel mehr Zeit. Und genau wie bei dir, Christine, hat das eben jene Gründe: meine Zeit ist begrenzt, ich stehe kurz vor meiner Meisterprüfung und bin rund um die Uhr mit den Prüfungsvorbereitungen beschäftigt – und der Thermomix kocht, während ich lernen oder zeichnen oder anderweitig üben kann. Das bedeutet nicht, dass ich nichts mehr für ein gesundes, leckeres Essen tun muss; es bedeutet lediglich, dass ich unbesorgt was anderes tun kann, während ich auf den Reis oder die Kartoffeln warte, ohne Sorge haben zu müssen, dass etwas überkocht. Meine Mini-Küche ist damit um eine Kochstelle erweitert und ich kann mich voll und ganz auf die Prüfung konzentrieren, ohne Einschränkungen im Speiseplan zu haben.
    Was das glückliche Backen betrifft, muss ich aber auch sagen, dass ich auf meine KitchenAid, die Sahne oder Ei einfach besser, luftiger, aufschlägt, nicht verzichten will. Das klappt zwar alles im Thermomix ziemlich gut, aber es kann noch besser gelingen.

    ♥︎sabrina

    1. Hallo Sabrina, danke für dein Lob. Ja, die Zeitersparnis ist sehr praktisch. Mein Sohn liebt Milchreis. Dank des TM hat die ewige Rührerei (und dann brennt er doch an) ein Ende. Ich wünsche dir alles Gute für deine Prüfungen. Herzliche Grüße Christine

    2. Hallo Sabrina,
      wow Dein Blog ist ja toll :-). Werd ich mir gleich abspeichern.
      LG, Miri